Im Schwimmbad

Wie erhöht man seine Frustrationstoleranz in Hygienefragen? Ganz einfach – man gehe ins Hallenbad. Mein Taucherherz ist schon ganz schwermütig ohne das Gefühl im Wasser dahinzugleiten. Zwar gibt da die Luftfeuchtigkeit schon einiges her, aber ganz so elegant wie die Bewegung im Wasser ist mein Landgang leider nicht. Bei einem Hallenbad in einem 4 oder 5 Sterne Hotel fühle ich mich auf der sicheren Seite. Habe mir sagen lassen, dass der Versifftheitsgrad dieses Bads für den vorgegebenen Preis akzeptabel ist.

Wie auch sonst überall stelle ich nach Verlassen der schönen äußeren Fassade fest, wie die Räumlichkeiten bereits in die Jahre gekommen sind. Trotzdem zahle ich den 3-fachen Eintrittspreis, den man in Deutschland für vergleichbares zahlen würde. Das Schwimmbecken ist ca 20m lang. Die ein oder andere Stelle an den blauen Fliesen schimmert grünlich. Naja, will mal nicht kleinlich sein, bin ja ein Naturfreund. Man sollte nicht vom Beckenrand springen. Wahrscheinlich mangels Tiefe. Ich kann überall stehen. Dennoch erscheint mir der Einstieg über die marode ächzende Leiter weitaus gefährlicher.

Ich stürze mich in die Fluten. Endlich Wasser um den ganzen Körper herum! Bei 28° Wassertemperatur unterm Glasdach komme ich ganz schön ins Schwitzen. Eine Badekappe ist Plicht. Der Vorteil ist, daß ich die nervige Hintergrundmusik nicht mehr so gut hören kann. So ziehe ich also in Ruhe schöne slalomfreie Bahnen, da kaum was los ist und genieße es von meinem Lieblingselement getragen zu werden.

Danach konfrontiere ich mich gnadenlos mit den Schrecken der Dusche. Wie gesagt will ich meine hygienische Frustrationstoleranz steigern. Sonst immer ein Badelatschenmuffel bin ich heute überglücklich, daß ich meinen Füssen diesen Boden nicht antun muss. Es ist ein wenig glitschig in der Kabine, die ich mir mit einem Büschel schwarzer Haare und einer kleinen toten Spinne teile. Um den vergilbten Duschvorhang zu ignorieren wandert mein Blick zur Decke. Doch augenblicklich erkläre ich den Duschvorhang zu einer wahren Augenweide, denn dort oben findet eine schwarze Schimmelpilzparty statt. Tausende Gäste sind geladen.

Nach intensiver Körperreinigung inspiziere ich noch die Sauna. Sieht okay aus, ist allerdings kalt. Ein Glück, das ein Schild mich lebensrettend davor warnt, Kopfüber in das 0,9 m tiefe Jacuzzi zu springen! Mal ganz abgesehen davon, daß ich keineswegs erwäge auch nur den Fuss hineinzustecken. Wäre doch unverschämt, am Sonntag die kleinen Algen zu stören. Auch an die Tauchsportfreunde wird gedacht. Der ambitionierte Taucher findet in dem Jacuzzi nicht nur allerlei Lebensformen, sonder auch Angaben über die Tiefen von 0,7 über 0,8 bis zu 0,9 m. Damit ist gewährleistet, daß er seine Tauchtiefe jederzeit unter Kontrolle hat.

Mein Fazit: Wahrscheinlich geht es ohne Sternvergabe tatsächlich noch schlimmer. Oberflächlich ist das Bad sauber und mit einer gewissen Ignoranz annehmbar. Das Schwimmerbecken ist wirklich okay, duschen kann ich auch zuhause. Leider ist der Preis völlig unangemessen, aber als Taucher nimmt man ja so einiges auf sich. Und: Endlich habe ich meine Liebe zu Badelatschen und Badekappen entdeckt!!!

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